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Entstehungsbeschreibung einiger Werke

Ein alter, schwacher Pflaumenbaum, ein Apfelbaum sowie eine kleinere Fichte mussten in einem Garten weichen. Ich zerschnitt die Bäume in Stücke, so dass ich sie gerade noch tragen konnte. Der Wurzelstock der Fichte war auch dabei, von dem ich die dünneren Wurzelenden abtrennte. In der Werkstatt war ich erst einmal damit beschäftigt, das Holz von Erde und Steinen zu befreien. Nun stand die Wurzel kopfüber monatelang in der Werkstatt, trocknete und wartete, bis ich mich nach unzähligem Wenden und Betrachten, Beobachten, wo die Hauptlinien waren, und Herausfinden, was diese wirre Rohform mir sagen wolle, daran machte, abzusägen, was mir als störend erschien, und dem Stammstück mit seiner gewachsenen leichten Drehung ein quadratisches Profil zu verleihen. Im übrigen ließ sich die Vierkantform des Stammstücks bequem in die Hobelbank einspannen. Durch das Herausschälen der Form mit der Elektro-Kettensäge kam Neues zutage. Dies ließ mich inne halten und neu beurteilen, wie es weiterging. So entstand und entsteht immer wieder ein gemeinsames Schaffen zwischen dem gewachsenen Holz und meiner Idee, eine Zwiesprache zwischen Material und Künstler.

Auf der Entdeckungsreise ins Innere des Holzes und seiner Form treffe ich oft auf Narben und Verletzungen, die der Baum zu Lebzeiten bewältigte. Mein Eingriff durch grobe und feine Werkzeuge hinterlässt ebenfalls Spuren, die ich nicht zu vertuschen suche, sondern durch eine einfühlsame Einfärbung mit Lasurölen und nachträglichem Überschleifen betone. Sie geben zusätzliche Struktur und Lebendigkeit. Zum Schluss wird das Holz, dem ich die Rinde als Schutzhaut beraubt hatte, mit schützendem und doch die Atmung des Holzes zulassenden feinem Öl behandelt. So entstand Knorz will auch fliegen.

Als der vier Meter lange Eschenahornstamm zu mir kam, wusste ich noch nicht, dass daraus der Kelch und die Läuferin entstehen würden. Ich war erst einmal damit beschäftigt, mit der Kettensäge das morsche vom gesunden Holz zu entfernen. Sehr viel würde nicht mehr übrig bleiben. Fragmente würden daraus entstehen, morbide Skulptur-Hüllen. Wo mehr Holz in Form von Wülsten erhalten werden konnte, entstanden später eine Hand, eine Brust, ein Auge. Es war das Ergebnis davon, was sich durch das Betrachten des Übriggebliebenen ergab. Gewachsene Verfärbungen im Holz habe ich durch pastellige Öllasuren ergänzt, die Oberfläche fein geschliffen und als Nahrung fürs Holz und für seidenglänzenden Effekt mit Hartöl behandelt.

Die Ideen zur Weltenmitte, Stele I und Fliessen entstanden durch das Versinken in Gedanken und Gefühlen über die Bedeutung des Todes. Der Verstorbene und die Hinterbliebenen sollten dabei einbezogen werden; Erhabenheit über das irdische Leben hinaus und spirituelle Symbolik ebenso. So entstand eine Reihe von Ideen-Skizzen für Grabmale, wovon wieder drei unterschiedliche in Modelle umgesetzt worden sind. Für die Weltenmitte hatte ich Pflaumenholz ausgesucht, weil seine Violettfärbung etwas Mystisches hat. Für die geschwungenen Bögen wählte ich  extra einen in dieser Form gewachsenen Ast.

Die Idee der Tanzenden war, die Bewegtheit und die Sinnlichkeit darzustellen, die Gefühle und Energie der Liebe und des Aufbruchs. Ich entschied mich, nur mit der Kettensäge zu arbeiten, um das skizzenhaft Bewegte zu erhalten. Die Erhöhungen polierte ich mit feinem Schleifpapier, was ihnen Glanz verlieh, und behandelte das Holz mit Öl und Wachs.

Fred ist ebenso eine überschliffene Kettensägearbeit aus einem Stück. Hier gab die natürliche Färbung des Holzes aber nicht viel her. Das bot mir Gelegenheit, mehr mit Farben zu experimentieren.

Nach der eindrücklichen Erfahrung mit "Rosa" (Torso aus rosa Marmor), wollte ich einen liegenden Akt aus Holz schaffen. Wie immer setzte ich als Erstes die Kettensäge an. Während der Arbeit geriet die Säge in Metallteile, und es öffneten sich mehrere dunkelbraune kranke Stellen im weiß leuchtenden Ahornholz. Es waren eingeschlagene dicke Metallhaken und Bombensplitter aus der Kriegszeit, die der Baum in den folgenden Jahrzehnten geduldig eingewachsen hatte. Die Verletzungen traten nun zutage und gaben dem Werk eine dramatische Wendung. Der Fauenkörper wurde in das Ende der Kriegszeit versetzt! Durch das Entfernen der kranken Holzstellen wurden die Verletzungen entblößt. Die Metallteile im blassen, nackten Körper machen betroffen: Milly.

Von beiden Stirnseiten eines Ahornstammes stach ich mit der Kettensäge zwei Blöcke heraus, so dass ein wenige Zentimeter dicker Mantel, wie ein Fass, übrig blieb. Durch die Treff-Ungenauigkeit der Kettensägenarbeit entstanden an den herausfallenden Kernteilen Strukturen und schmale, scharfe Kämme und Grate, die beim Aufrechtstellen wie skurrile Türme wirkten. Bald war klar, dass das Stadium der Verwesung in dem noch festen Holz zwar interessante Linien hervorgebracht hatte, für eine feine, glatte Arbeit aber nicht würdig war. So blieb die Oberfläche der Treppentürme in ihrer ursprünglichen, unverarbeiteten Form und Struktur.

 

Martin Pfeiffer    

 Der 1958 im schweizerischen Bündnerland geborene Martin Pfeiffer zog 2002 nach Berlin, um seine künstlerischen Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Auf dem elterlichen Landwirtschaftsbetrieb erfuhr er die Nähe zur und das Leben mit der Natur. Von Kind an fand er Ausdruck im Musizieren, Malen und Schreiben und Werken mit Holz. Neben seinem erlernten Beruf des Grundschullehrers widmet er sich seit 1993 er sich intensiv der Bildhauerkunst. Der Künstler und Lehrer lebt mit seiner Frau in Flensburg, seine vier erwachsenen Kinder aus erster Ehe in der Schweiz.

Aus einem Stück entstehen die vorwiegend aus einheimischen Edelhölzern gearbeiteten Werke. Die fein polierten Oberflächen über noch sichtbaren Arbeits- als Lebensspuren wirken auf den Betrachter unmittelbar, organisch und lebendig.

In Martin Pfeiffers Atelier zeigt sich sein vielseitiges Schaffen in Holzskulpturen, beweglichen Objekten und Spielwerken, symbolstarken Grabmalen aus Holz und Öllasaurbildern.

 


 

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